Wiens letzter Schildermaler


Josef Samuel betreibt auf der Wieden das einzige Schildermalermuseum Europas und stellt 137 Jahre alte Stücke aus.

WIEDEN. 137 Jahre ist das Kunstwerk alt, das Josef Samuel seinen eigenen Fußboden nennen darf. Voller wundschöner Farbkleckse gleicht der Holzboden einem modernen Gemälde.

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Josef Samuel ist Wiens letzter Schildermaler.
Foto: Nada Andjelic

Im Innenraum seiner Werkstatt hängen Schilder, die in feinster Handarbeit entstanden sind.
Wiens letzter Schildermaler hat aus seinem einstigen Arbeitsplatz Europas einziges Schildermalermuseum erschaffen, das Kunst und Handwerk vereint.

In vierter Generation

Seit 1882 befindet sich der Grund in der Mühlgasse 4 in Samuels Familienbesitz. Sein Urgroßvater eröffnete mit dem Lokal eine Schildermalerei. Nachdem der Großvater die Werkstatt übernahm, sei er als kleiner Junge oft behilflich gewesen, erinnert sich der 76-jährige Wiedner.

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Mit Blattgold, Stanniolpapier und Holzschnitten wurden große Effekte erzielt. Foto: Nada Andjelic

“Ich bin damals nach der Schule immer runter gegangen. So hab ich mich praktisch selber eingearbeitet.” Die kindliche Neugier ließ nicht nach. In vierter Generation übernahm Samuel schließlich den Betrieb von seinem Vater, der in der Berufsschule gleichzeitig sein Lehrer war.

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Samuel erklärt die Techniken des Schildermalens in seinem Museum. Foto: Nada Andjelic

Hasenpfoten als Pinsel

„Bis zu 13 verschiedene Schriftarten wurden damals pro Schild verwendet”, erklärt Samuel die imposanten Arbeiten. “Das war Mode und gleichzeitig ein Herzeigen des Könnens.” Man wusste anhand der Schriftart etwa, welches Schild von welchem Schildermaler angefertigt wurde. Auch die Farben wurden individuell angerührt, “jeder Meister hatte seine eigene Mixtur.”

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Echte Hasenpfoten wurden als Pinsel verwendet. Foto: Nada Andjelic

In den 1950er-Jahren wurden echte Hasenpfoten als Pinsel verwendet, da der Großvater ohnehin “zum Essen” etliche Hasenställe in der Werkstatt aufgestellt hatte. Damals gab es 257 Schildermalereien in Wien, das seien “die Vorreiter der Werbung” gewesen.

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Auf diese modernen Schilder der 1930er Jahre ist Samuel besonders stoltz. Foto: Nada Andjelic

Wenn ein Betrieb zusperrte, wurden die Schilder an den Meister retourniert. Und so kann man diese, teilweise vor 100 Jahren im Einsatz gewesenen Schilder auch heute noch bewundern.

Fest verankert in der Kunst

Langweilig wird dem 76-jährigen Pensionisten nicht. 17 Jahre war er unter anderem als Fotoreporter tätig. Der Liebe zur Fotografie ist er bis heute treu geblieben. Seine Bilder stellt er daher auch regelmäßig aus.

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Ausstellung von Samuels Kunstschätzen und Entwürfen. Foto: Nada Andjelic

Derzeit läuft die Ausstellung in seinem Museum. Ab April stellt Samuel gemeinsam mit seiner Gattin die Bilder wieder in London aus. “Man muss halt geistig aktiv sein”, erklärt er seine vielen Aktivitäten fast wie eine Rechtfertigung.

Zur Sache

Das Museum in der Mühlgasse 4 hat auf Anfrage geöffnet. Weitere Infos finden Sie auf  www.schildermalermuseum.at oder unter der Nummer  0664/963 79 43

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