Networking im Zweierschritt
Zweiter BKS-Wirtschaftsball 2013
25.02.2013
Wien. 450 Bälle werden im Laufe der Ballsaison in Wien gefeiert. Wenn man Nebenveranstaltungen wie den Villacher Fasching zu den saisonalen Events hinzuzählt, kommt man auf eine lustige Zeit. Pro Saison tanzen rund 300.000 Besucher auf den rauschenden Festen, die zumindest in Wien laut Ballkalender erst Ende Mai abflauen. Die Stadt Wien beteiligt sich außerdem an 30 „Wien“-Bällen im Ausland, die unter anderem in Paris, Zürich, Athen und Belgrad stattfinden. Am Samstag veranstaltete der BKS Business Club zum zweiten Mal seinen Wirtschaftsball 2013 für ausländische Geschäftsleute in Österreich im Kursalon Wien.
Die bosnisch-kroatisch-serbischen Unternehmer und Unternehmen feierten unter dem Motto: „Wir für Wien!“. „Wir sind schließlich ein großer Teil der Wiener Wirtschaft und fühlen uns auch zugehörig“, erklärte Tatjana Kukic-Jank, die Organisatorin des Balles, gegenüber der Wiener Zeitung. Tatsächlich beläuft sich die Zahl der selbstständig Erwerbstätigen Österreicher mit Migrationshintergrund und Unternehmer ohne österreichische Staatsbürgerschaft laut dem Arbeitsmarkt Service Österreich derzeit auf zirka 18 Prozent. Unter den Wiener Einzelunternehmern stellen Migranten sogar rund 30 Prozent.
600 Besucher
„Der BKS Business Club versteht sich als eine Plattform zur wirtschaftlichen Vernetzung und Beziehungspflege von Unternehmern aus dem ex-jugoslawischen Raum,“ so Kukic-Jank, die Obfrau des Vereins. Neben österreichischen Repräsentanten der Industriellenvereinigung, der Wirtschaftskammer, des Staatssekretariats für Integration und anderer, standen heuer Vertreter der Botschaften und der wirtschaftlichen Institutionen der Heimatländer auf der Gästeliste. 600 Besucher tanzten beim zweiten BKS-Wirtschaftsball. „Eine große Steigerung gegenüber dem letzten Jahr mit zirka 250 Gästen,“ erfreute sich Kukic-Jank dem großen Erfolg von diesem Jahr.

Das Motto „Wir für Wien“ kann mit dem Fakt aufgeklärt werden, dass rund 7000 Unternehmen in Österreich von ex-jugoslawischen Migranten geführt werden. In Wien ist deren Anteil mit 4000 Betrieben besonders hoch.
Die Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien, Brigitte Jank, und der Staatssekretär für Integration, Sebastian Kurz, eröffneten den Ball. Der Integrationsstaatssekretär hielt eine kurze Rede über die Wichtigkeit dieses Anlasses und die Arbeit des Vereins für die BKS-Community: „Die österreichische Wirtschaft profitiert von den zahlreichen Unternehmern mit serbischen, kroatischen oder bosnischen Wurzeln. Diese sind nicht nur erfolgreiche Unternehmer in Österreich, sondern helfen auch österreichischen Firmen, ihr Potenzial am Westbalken auszuschöpfen. Und sie tragen damit wesentlich zu einer gelungenen und funktionierenden Integration in Österreich bei“. Danach leiteten Schüler der Tanzschule Lamp standesgemäß den Ball mit einer Polonaise ein. Um Mitternacht brachten Tanzpaare der ORF-Show „Dancing Stars“ eine Tanzeinlage.
Kleine, feine Unterschiede
Mit Walzer im Dreiviertel-Takt, dem Lachs am Buffet und den vielen schillernden Ballroben unterschied sich der Ball kaum von den herkömmlichen in Wien stattfindenden Tanzveranstaltungen, wären da nicht die kleinen Feinheiten. Um die kulturellen Wurzeln kümmerte sich das Orchester Skala mit lokalen und traditionellen Balkanklängen. Schließlich wurde auch „Kolo“ getanzt. Ein traditioneller Gemeinschaftstanz der in verschiedenen Rhythmen und Takten ausgeführt werden kann. Auch „Cevapcici a la carte“ durften nicht fehlen, um die sich das Catering des Balkan-Grillrestaurants XxXL kümmerte. Abgesehen von der Speisekarte gab es ein Buffet und eine Tombola, deren Einnahmen an das Projekt „Talenteförderung 2013“ fließen. Mit den Tombola-Einkünften sollen in Österreich lebende Kinder mit Migrationshintergrund zur Selbsterkennung von Eigenpotentialen am Bildungsweg gestärkt werden.

Der allgemeine Tenor der Gäste zu der Veranstaltung war positiv. „Ich halte es für sehr wichtig, dass die Unternehmer aus dem ex-jugoslawischen Raum zusammenarbeiten und sich austauschen, um sich kennenzulernen und zu networken,“ hieß es von Seiten der Besitzerin des Bauunternehmens Stolex KG, Ljubica Stojkovic. Die Bauunternehmerin unterstützt den Ball sowie die Leitidee des BKS Business Clubs, weil „die Veranstaltung eine gute Möglichkeit ist, zumindest ein Mal jährlich feierlich zusammenzukommen. Es ist schön sich nicht nur im Arbeitsumfeld zu begegnen, sondern auch in einer entspannten Atmosphäre zu plaudern.“
Gutes Beispiel für Integration
Zwar hielt der Großteil der Gäste die Preise auf dem Ball für übertrieben, jedoch ist Dekadenz immerhin langjähriger Bestandteil Wiener Balltradition. Deshalb hielt man sich anscheinend auch hier an die traditionelle österreichische Ballkultur.
Wenn man überlegt, was Integration bedeutet, war dieser Ball ein gutes Beispiel dafür. Hier arbeitet eine spezifische Community zusammen, um sowohl ihre Wurzeln und Traditionen zu pflegen und zu vermitteln als auch ihre Zugehörigkeit zur österreichischen Wirtschaft zu unterstreichen. „Wir freuen uns über die Verdopplung der Gästeanzahl und einen gelungenen Abend. Wir haben gezeigt, dass wir ein großer Teil der Wiener Wirtschaft sind, die unsere Plattform nutzt und hoffentlich in Zukunft weiter nutzen wird,“ so das Fazit der Organisatorin.
Von Nada Andjelic
